Gesundes Wohnen/Beschwerden - Geruchsaufälligkeiten
Geruch und Geruchsproblematik in Innenräumen
Gerüche spielen im Alltag eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie werden unterschiedlich empfunden und bewertet. Wir sind überall Gerüchen ausgesetzt und die Erfahrung zeigt, dass diese Thematik auch im Innenraum immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Nach §3 des Bundesimmissionsschutzgesetztes (BImSchG) gelten Gerüche als schädliche Umwelteinwirkungen, wenn sie „nach Art, Ausmaß und Dauer geeignet sind, …erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen“. Geruchsbelästigungen sind häufig Ursachen für Beschwerden und Auseinandersetzungen und gelten allgemein als Umweltstressoren. Das Auftreten von geruchlicher Auffälligkeit kann auch ein Indiz für eine mögliche Schadstoffbelastung im Innenraum sein. Dabei kann es sich um gesundheitliche Einzelstoffe oder Stoffgemische handeln. Dagegen können Gerüche auch trotz toxikologischer Unbedenklichkeit aufgrund von sensorischer Irritation zu Befindlichkeitsstörungen führen. Auch das Auftreten von somatischen und psychosomatischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit, Appetitverlust, Konzentrationsschwäche und Benommenheit können im Zusammenhang mit Geruchsstoffimmissionen stehen.
Abgesehen von wenigen anorganischen Verbindungen handelt es sich bei den Geruchsstoffen überwiegend umflüchtige organische Verbindungen. Dazu zählen geruchsaktive Verbindungen der VVOC, VOC und MVOC sowie um PAKs, Formaldehyd und bestimmte Aldehyde. Mögliche Quellen für Geruchstoffe können neben der Bausubstanz, Raumausstattung oder der individuellen Nutzung aber auch Bauschäden, technische Anlagen oder biologische Prozesse sein. Eine weitere Rolle spielt auch die zunehmend energetische Sanierung von Gebäuden. Durch die heute immer luftdichter werdende Bauweise, wird kaum auf einen hygienisch ausreichenden Luftwechsel geachtet bzw. ein „natürlicher“ Luftaustausch stark eingeschränkt.
Geruchsbildner sind:
Typische Gerüche | Geruchliche Note | Verbindungen/Verbindungsklassen |
Neubau | chemisch, lösemittelartig | Alkane, Ester, Ketone, Aldehyde |
Fertighaus | süßlich-muffig, penetrant | Trichloranisole, MVOC, Schimmel |
Linoleum | nussig, typischer Turnhallengeruch | Aldehyde, aliphatische Säuren, Benzothiazole |
Teppichboden | muffig, chemisch | Isododekene, Caprolactam |
Nadelfilzboden | muffig | Isododekene |
PVC, kunststoffe | schwach fruchtig | Aromaten, Glykolester, TXIB |
Geruch nach Holz | harzartig, Nadelhölzer | Terpene, Carbonsäuren, Aldehyde |
Teergeruch, Bitumen, Mottenkugel | teerartig, süßlich | Naphthalin, naphthalinähnliche Verbindungen, Kresole |
Schimmel, Feuchteschaden | muffig, modrig | Alkohole, MVOC |
Gesundheitlich-hygienische Beurteilung von Geruchsstoffen in Innenraumluft:
- Geruchsleitwerte AIR vom UBA (ehemals Ad-hoc-Arbeitsgruppe)
- Geruchsschwellenwerte
- AGÖF und Umweltbundesamt
Zum Aufklären von Geruchsauffälligkeiten kann eine Raumluftmessung (VOC auf TENAX, DNPH und Silicagel) weitere Hinweise geben.
Optional kann bei einer VOC-Messung mittels TENAX parallel zur GC-MS-Anylase auch ein sensorischer Eindruck am TDS-GCMS-ODP erfasst werden.